Orchester

Vorgestellt: Neues BDLO-Mit­glied­sor­ch­ester

alle1Vor etwa vier Jahren trafen sich einige begeis­terte Ama­teur­musik­er gele­gentlich, um zusam­men mit dem Cem­bal­is­ten, Pianis­ten und Musik­wis­senschaftler Christoph Teich­n­er das weite Feld der barock­en und klas­sis­chen Kam­mer­musik zu erkun­den. Bald schon wur­den weit­ere befre­un­dete Musik­er aus dem südlichen Land­kreis und der Stadt Augs­burg dazuge­beten und aus der Kam­mer­musikbe­set­zung wurde ein kleines Kam­merorch­ester. Mit­tler­weile kann eine Beset­zung von je zwei Flöten, Oboen, Klar­inet­ten, Hörn­ern, Trompe­ten sowie Fagott, Pauken und Stre­ich­ern von den über 30 Musik­ern ohne auswär­tige, pro­fes­sionelle Aushil­fen bestrit­ten wer­den. Wurde ursprünglich im Saal der städtis­chen Musikschule Königs­brunn geprobt, erwies sich diese Örtlichkeit mit der angewach­se­nen Beset­zung rasch als zu klein und akkustisch ungeeignet. Als neuer Probenort wurde fre­undlicher­weise von der evan­ge­lisch-lutherischen Kirchenge­meinde Königs­brunn  der Gottes­di­en­straum des  Mar­tin-Luther-Haus­es zur Ver­fü­gung gestellt. Hier lassen sich auch großbe­set­zte Werke mit Schlag­w­erk und Blech­bläsern in passender Akkustik sehr gut proben.

Im Jahre 2013 wurde schließlich die Vere­ins­grün­dung als Königs­brun­ner Kam­merorch­ester e.V. gefeiert, um autark und finanziell unab­hängig sein zu kön­nen, attrak­tiv zu sein für Förder­er und Spon­soren sowie um auch mit anderen Laienorch­estern im BDLO in Kon­takt treten zu kön­nen.

Ein Schw­er­punkt des noch jun­gen Orch­esters liegt nach wie vor in der Wieder­auf­führung von unbekan­nten Kom­po­si­tio­nen aus dem reich­halti­gen Fun­dus bay­erisch­er Archive. Aus den dort erhal­te­nen Manuskripten wird vom Leit­er des Orch­esters eine neue Edi­tion erstellt. Kom­po­si­tio­nen von Friedrich Hart­mann Graf, Vin­cen­zo Rhigh­i­ni, Anto­nio Roset­ti, Ignaz von Beecke und vie­len anderen unbekan­nten Meis­tern des 18. Jahrhun­derts wer­den so nach über 200 Jahren wieder zum Klin­gen gebracht.

Daneben wird natür­lich auch das gängige Reper­toire aus Barock und Klas­sik gepflegt. Bach, Hän­del und Tele­mann sind auf den Pul­ten der Musik­er eben­so gern gese­hene Gäste wie Haydn, Mozart oder Beethoven. Gele­gentlich wird auch der ein oder andere Abstech­er in die Roman­tik, die Unter­hal­tungsmusik der 20er Jahre oder die Film­musik unter­nom­men.

Fes­ter Bestandteil ein­er jeden Konz­ert­sai­son sind ein bis zwei große, eigen­ständi­ge Konz­ertabende, die derzeit sowohl in Königs­brunn als auch in Diedorf bei Augs­burg zur Auf­führung gelan­gen und dabei immer einem fes­ten The­ma gewid­met sind. So wur­den vor zwei Jahren Unter­hal­tungs- und Film­musiken aus über drei Jahrhun­derten von Hen­ry Pur­cell bis John Miles darge­boten, im ver­gan­genen Jahr standen mit „Göt­ter, Helden und Dämo­nen“ Werke u.a. von Gluck, Offen­bach und Rossi­ni im Pro­gramm und nicht zulet­zt in diesem Früh­jahr erklin­gen die wesentlichen Werke Wolf­gang Amadeus Mozarts u.a. von sein­er ersten Sin­fonie über das 19. Klavierkonz­ert, über die Con­cer­tone KV190 für zwei Solovi­o­li­nen bis hin zur Zauber­flöte mit einem Pup­penthe­ater.

Darüber hin­aus umrahmt das Königs­brun­ner Kam­merorch­ester regelmäßig Ver­anstal­tun­gen der Stadt Königs­brunn wie beispiel­sweise die Lange Nacht der Museen und den Ser­e­naden­abend sowie feier­liche Eröff­nun­gen. In Gottes­di­en­sten der evan­ge­lisch-lutherischen Kirchenge­meinde wer­den nicht nur in der Wei­h­nachts- und Adventszeit son­dern auch zu beson­deren Anlässen wie dem Ewigkeitsson­ntag beson­dere Werke wie das Alle­gret­to aus Lud­wig van Beethovens siebter Sin­fonie, die Pavane von Gabriel Fau­ré und die Trauersin­fonie von Bern­hard Romberg darge­boten.

In diesem Jahr ist außer­dem die Zusam­me­nar­beit mit der „Alt-Augs­burg-Gesellschaft“ geplant unter dem Titel „Augs­burg­er Barock“. Vom Augs­burg­er Can­tor bei St. Anna und reich­städtis­chen Musikdi­rek­tor Johann Cas­par Seyferth (1697–1767) haben sich in europäis­chen Samm­lun­gen drei Con­cer­ti grossi erhal­ten, die ver­mut­lich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhun­derts durch das städtis­che Col­legium Musicum zur Auf­führung gelangt sein dürften. In ihrer Beset­zung mit zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Hörn­ern, Fagott, Stre­ich­ern und Bas­so con­tin­uo dürften sie damals zur feier­lichen Umrah­mung ein­er Augs­burg­er Festver­anstal­tung gedi­ent haben. Zusam­men mit der Gruppe „Augs­burg­er Patrizier-Tanz und Geschichte“ wird eine der­ar­tige Abend­ver­anstal­tung aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhun­derts in Augs­burg wieder erleb­bar gemacht wer­den: Mit barock­en Tanz­paaren, begleit­et vom eben­falls his­torisch gewan­de­ten Kam­merorch­ester, vom musikalis­chen Leit­er zeit­typ­isch vom Cem­ba­lo aus geleit­et, sowie in „Tableaux vivantes“ umrahmt von Augs­burg­er Barock­musik, erste­ht so der Ein­blick in einen längst ver­gan­genen Abschnitt der Augs­burg­er Stadt­geschichte.

 

Das Königs­brun­ner Kam­merorch­ester freut sich sehr, seit let­ztem Jahr Mit­glied des BDLO sein zu dür­fen und ist ges­pan­nt auf viele tolle Begeg­nun­gen!

 

Ver­fass­er: Mar­ius Köh­ler